Samstag, 30. Januar 2016

Ein Bad Ass LED-Licht für Lau ?

LED Lichttechnik wohin man schaut, also war es für mich an der Zeit, diese neue Lichttechnologie einmal auf Kollodium-Nassplattentauglichkeit zu testen. Ein Vergleichstest zwischen Energiesparlicht, HMI-Licht und LED-Licht, durchgeführt von Alex Timmermanns vor 2 Jahren brachte die Erkenntnis, dass LED-Licht durchaus brauchbar ist, allerdings in der von ihm getesteten Ausführung als LED-Flächenpanel nicht ganz die erhoffte Leistung brachte (siehe auch: I-have-seen-light). Die LED-Technik machte in den letzten zwei Jahren allerdings revolutionäre Fortschritte über die man nicht einfach hinweg sehen kann, ich beschloss das Risiko einzugehen und baute einen Prototypen mit neuester LED-Technologie.
Da wir "Wetplater" bekanntlich sehr sehr viel Licht brauchen, um adäquate Belichtungszeiten bei einer Empfindlichkeit von ISO 1 hinzubekommen, habe ich bei meinem Prototyp geklotzt statt gekleckert, zwei 100W Chip-LED´s, 6000 Kelvin, hellweiss, auf einem Kupfer-CPU-Kühler montiert und zusammen mit der Treiberelektronik, Ventilator, Netzfilter und Schalter in ein schickes Gehäuse eingebaut, fertig war die Lampe. Der adaptierte Stativ-Alu-Neigekopf stammte von einem polnischen Fotozubehörhandler, ich hatte in seit 5 Jahren in meinem Arsenal herumliegen. Er war damals für knapp 20 Euro zu haben.
Ein Test mit vorgehaltenem Diffousor bracht 5 Sekunden Belichtungszeit bei einem 1/2 Körper Portrait, damit kann man schon gut leben. Es ist ein Prototyp, es wird nun eine zweite verbesserte Version mit  vier 100W Chip LED´s geben. Der Lichtkopf wird ein neues Design gekommen, sodass eine handelsüblich Softbox adaptiert werden kann.
Ich hoffe auf 3 Sekunden Belichtungszeit mit dieser neuen 400 Watt-Version. Die Kosten für die hier abgebilderte 200 Watt-Leuchte betragen ca. 180 Euro für Material, 3,5 kg Gewicht bringt sie auf die Waage. Zusammen mit den Vorteilen der Stossfestigkeit, sofort abrufbarer maximaler Beleuchtungsstärke, Kompaktheit, preiswerter Ausführung, nur geringer Abwärme, nahezu unbegrenzter Lenbensdauer und unkomplizierter Handhabung ist dies meiner Meinung nach die Leuchte der Wahl.

Donnerstag, 28. Januar 2016

Eine Kollodiumfotografie entsteht



Letzes Jahr war der professionelle auf Mallorca wohnende Schauspieler und Model Ruben Batalla zu Gast in meinem Atelier. Wir haben natürlich ein paar Aufnahmen auf Kollodium-Nassplatte gemacht. Festgehalten und aufbereitet auf Video wurde dieses Shooting von meiner lieben Freundin Diana Hirsch aus Mallorca. Herausgekommen ist dabei ein bezaubernder 10-Minuten Film über die Herstellung einer Kollodium-Nassplatte den ich euch nicht vorenthalten möchte!
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Dienstag, 19. Januar 2016

Neue Wege...


"Entanglements"
Kollodium-Nassplatte auf Klarglass, 18x24cm
Es ist einige Zeit vergangen seit meinem letzten Post, meine vergangen Artikel drehten sich meist um die technische Seite der Kollodiumfotografie, diesmal geht es mehr um meine eigenen Stimmungen und Emotionen. Ein neues Jahr hat begonnen und wie das so um den Jahreswechsel herum ist, man macht sich Gedanken, schaut zurück und plant für die Zukunft. Nach drei Jahren Kollodiumfotografie habe ich mir einmal mehr die Frage gestellt, warum mache ich dass überhaupt, warum investiere ich so viel Zeit und Geld, um am Ende eines ganztägigen Fotoshootings drei schmutzige Glasplatten in Händen zu halten. Platten,  die mir im Nachhinein den Schrank voll stellen und die zu allem Übel die Frage aufwerfen, was mache ich jetzt damit?

Zum Verständnis vorab die Info, ich fotografiere in meiner Freizeit, nicht gewerblich und ich verdiene kein Geld mit der Fotografie. Es ist ein reines Hobby und Hobbies kosten Geld und machen Spass. Ist dies also die Erklärung, warum ich dass tue, des Selbstzweckes wegen, als Zeitvertreib? Ich fürchte, ganz so einfach ist es nicht!

"In between heaven and hell"
Kollodium-Nassplatte auf Klarglass, 18x24cm
Erinnern wir uns, warum ich 2012 mit dieser Art Fotografie angefangen habe. Es war zum Einen der augenscheinlich Look, der mich magisch faszinierte, gepaart mit der handwerklichen Ausführung in Verbindung mit historischen Apparaten und Rezepten. Hinzu kamen dann die konsequente Konzentration auf den Akt des Bildermachens, der Langsamkeit in der Ausführung und der Tatsache, das die resultierenden Aufnahmen physikalische Unikate zum Anfassen darstellen, kein temporäres und schnell wieder vergessenes Bit-Gefüge auf archivierten Festplatten. Und dafür war mir kein Aufwand zuviel und keine Investition zu gross. Es sind sicher nachvollziehbare Gründe. Aber wie dass nun einmal so ist, wenn man etwas Jahrelang macht, sich Routine einstellt und man nicht mehr täglich mit chemischen und technischen Herausforderungen und Überraschungen konfrontiert wird, es wird irgendwie weniger faszinierend, es wird langweilig. Zu dieser Erkenntnis gesellte sich eine trübe November-Jahres-end-Stimmung und Zorn über undankbare Modelle und verständnislose Mitmenschen. Ich war drauf und dran die Sache hinzuwerfen, einige wenige Freunde machten mir aber Mut und standen mit Rat und Tat zur Seite. Besonders die Aussage einer Facebook-Freundin, dass ich mir die negative Energie zunutzte machen sollte, um mich weiterzuentwickeln, gab mir zu denken.


Nun, ich hatte also meinen  Kopf voll trüber Gedanken, ich war gefangen in einem Netz aus Selbstzweifel und einer guten Portion Zorn auf die Gesellschaft (einfach so, wie jeder Künstler auf diesem Planeten), wie zum Teufel sollte ich dass jetzt positiv nutzen? Da half nur lautes Schreien und zwar so, wie es alle Künstler machen, all die Gedanken, Zweifel und Zorn durch das gewählte Medium ausdrücken und herausschreien. Und ich hatte mit der Kollodiumfotografie ein Medium an der Hand, welches sich wie kaum ein anderes dazu eignet, dunkle Stimmungen zu transportieren.


"Wanderer between worlds"
Kollodium-Nassplatte auf Klarglass, 18x24cm
Genau im richtigen Moment, als hätte sie meinen Hilferuf gespürt, kam mir ein schon fast aus den Augen verlorenes Lieblingsmodel zu Hilfe. Ein ganz besonderer Mensch, eine coole Socke, eine Frau die das nötige Vertrauen mitbringt und die nötige Stimmung und Verrücktheit auch selbst im Kopf trägt. Sie war mein perfektes Medium weil ich wusste, ich muss ihr meine Stimmung nicht aufdrücken. Sie verstand und spürte es selbst, auch wenn sie sich sicher in diesem Moment gar nicht bewusst darüber war, wie wichtig ihre Mitwirkung für mich war. Wir machten gleich nach dem Jahreswechsel zwei Kollodium-Fotoshootings, die mir dabei halfen, meiner Stimmung Ausdruck zu verleihen. Die resultierenden Bilder sind so geworden, wie ich sieh mir vorgestellt habe. Sie sind anders, sie sind dass, was momentan in meinem Kopf vor sich geht und sie sind ein Grund und Bestätigung für mich, warum ich mit der Kollodiumfotografie weitermache. Kollodium ist ein hervorragendes Medium zum visualisieren von Stimmungen und Emotionen. Sicher, es ist kein Alleinstellungsmerkmal von Kollodiumfotografien, in der Hand eines guten Künstlers können Emotionen auf vielfältige Weise visualisiert werden. Es ist aber mein gewähltes Medium. Es geht also weiter mit meiner Fotografie auf Glasplatten, nachdenklicher, dunkler und selektiver. Ich werde verstärkt nach Modellen Ausschau halten, die mit meiner Stimmung im Kopf konform gehen, nur dann ist auch zu erwarten, dass die Bilder es wert sind, in Kollodium festgehalten zu werden. Wer als Model diesen Weg mit mir gemeinsam gehen möchte, sollte sich melden.

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Montag, 18. Mai 2015

Beauty 2.0 ...


....oder......warum ich den Kollodium-Nassplattenprozess so sehr liebe. Eine wahre Schönheit entstellt nichts und mit den geeigneten Mitteln kann man eine Schönheit sogar noch schöner darstellen.... zumindest subjektiv und von meiner Warte aus betrachtet. Durch die charakteristische Blauempfindlichkeit des fotografischen Verfahrens Kollodium-Nassplatte bedingt, weiss man nie genau, wie das Ergebnis eines solchen Kollodium-Portraitshootings letztendlich aussehen wird.
Damals, anno 1850-1870, als man hauptsächlich dieses fotografische Verfahren zur Verfügung hatte, kannte man nur ein Ziel: Man wollte die Natur und den Menschen möglichst naturgetreu und unverfälscht darstellen. Deshalb setzte man alles daran, dem Verfahren diese Blauenpfindlichkeit auszutreiben...mehr oder weniger erfolgslos. Heute, zu Zeiten von Photoshop und Instagram, haben wir es schätzen und lieben gelernt, unseren Bildern einen eigenen Look zu verpassen. Anbei die liebe Laura, ganz ohne Photoshop, aber mit viel Licht und Liebe auf Glasplatte gebannt.


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Montag, 4. Mai 2015

Alles Lithium, oder was.....?


Kollodium-Nassplatte, 18x24cm, All-Lithium-Kollodium
Es ist schon eine Weile her, dass ich mit Kollodiumrezepten herumgespielt habe. Es war schlicht und einfach nicht nötig, weiterhin zu experimentieren, da ich mit dem auf Lithiumsalz basierenden "New Generation" Kollodium meine umwelt- und gesundheitsbewusste Kollodiumlösung gefunden hatte (siehe Artikel Januar 2014
http://kollodium.blogspot.de/2014/01/alles-biooder-was.html)

Einzig die Tatsache, dass dieses Kollodium aufgrund des Kaliumanteiles immer ein paar Tage zum Klären braucht, hat mich nun dazu veranlasst, wieder einmal etwas Neues auszuprobieren. Mein Nassplatten-Kollege aus den USA, Brian Cuyler http://www.uvphotographics.com/ hat etwa zur gleichen Zeit wie ich angefangen, mit Lithium-Kollodiummischungen herum zu experimentieren. Er verzichtete in seinen Rezepten gänzlich auf andere Salze und nahm ausschliesslich Lithiumiodid und Lithiumbromid als Zutaten. Brian hat in der Zwischenzeit umfangreiche Tests mit seinen Lithiummischungen angestellt und verkauft das sogenannte All-Lithium-Kollodium auch als Fertigmischung über seinen Shop. Ich habe das auf seiner Webseite publiziertes Rezept nun auch einmal selber angemischt und ausprobiert. Ein kleiner Stolperstein bestand darin, dass in Europa erhältliches Lithiumiodid extrem teuer ist und man auf Lithiumiodid Hydrat ausweichen muss. (der geringfügig abweichende Molekulargewichtsanteil ist zu vernachlässigen, aber wer es genau nehmen möchte, man muss 17% mehr Lithiumiodid+H2O zu dem auf Lithiumiodid-Basis kalkuliertem Rezept hinzugeben)

Zu den Ergebnissen: Das All-Lithium-Kollodium ist in etwa so lichtempfindlich, wie mein New Generation Kollodium, also ca. 1/4 empfindlicher als mir bekannte Mischungen auf Cadmium-/ Ammonium-/ Kaliumbasis. Allerdings hat das All-Lithium auch wiederum den Nachteil, im nassen Zustand relativ empfindlich auf mechanische Einwirkungen zu reagieren, der Film ist weich, berührungsempfindlich und haftet auch nicht besonders gut auf der Glasplatte. Man muss also sehr vorsichtig agieren. Es ist aber Alles noch im akzeptablen Bereich. Der grosse Vorteil der All-Lithium-Mischung besteht aber in der unkomplizierten Mischung und der Möglichkeit, es sofort und ohne Klären zu verwenden. Allerdings hat es in den ersten Tagen nach dem Anmischen noch nicht seine maximale Empfindlichkeit erreicht, auch dazu hat Brian auf seinem Blog umfangreiche Tests veröffentlicht. Im Hinblick auf das Tonwertespektrum ist es ein grossartiges Kollodium! Alles in Allem also eine weitere sinnvolle Alternative zu den gesundheitsgefährlichen Cadmium-Mischungen.

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Montag, 27. Oktober 2014

Zwei Jahre Kollodium-Fotografie - Ein Rückblick

Im Herbst 2012 habe ich begonnen, Silberbilder auf Glas zu bannen, 2 Jahre und ca. 200 Bilder später möchte ich kurz auf diesen Zeitraum zurückblicken.

 Wetplate collodion on clear glass, 18x24cm
Zuerst einmal, ich habe es nicht bereut, diesen umständlichen Weg zu gehen. Die Kollodiumfotografie hilft mir, mich zu fokussieren und bewusster zu fotografieren. Die dem Verfahren zugrunde liegende Langsamkeit erfordert aber auch ein radikales Umdenken.

Zunächst etwas zur technischen Seite: Vorher habe ich schon viel inszenierte Fotografie betrieben, ein Bild zu machen bedeutete für mich also schon immer einen gewissen Aufwand in der Vorbereitung. Neu hinzugekommen ist mit der Kollodium-Fotografie der Einstieg in die Grossformatfotografie, mit all ihren Vor- und Nachteilen. Zu schaffen macht mir nach wie vor der immense Lichthunger und die extrem knappe Schärfentiefe bei dieser Aufnahmetechnik. Beides kann aber auch ein Vorteil sein, düstere Bilder entstehen leichter, als jemals zuvor und mithilfe des knappen Fokus kann man wunderbar den Blick des Betrachters im Bild lenken.

Bei der Kollodiumfotografie beliebt ist dieser ganz spezielle "orthochromatische" Look, bedingt durch die Blauempfindlichkeit des Aufnahmemediums werden Erdfarben sehr dunkel dargestellt, Himmelsfarben dagegen extrem hell, Haut erscheint in einem bronzefarbenen fast metallischen Teint. Es ist schwer möglich, auch nur ansatzweise ein Bildergebnis vor der Aufnahme vorherzusehen. Das ist einerseits toll, die Überraschung ist jedesmal ein Erlebnis. Andererseits ist es nicht leicht, ein Bild zu planen und auszuleuchten, wenn man nicht weiss, was einen erwartet. Das gesamte Handling, wie Vorbereitung, Belichtung, Entwicklung, Fixierung und Lackierung der Platten geht inzwischen sehr leicht und routiniert von der Hand. Unter kontrollierten Bedingungen weiss ich inzwischen sehr genau, was mich in Sachen Chemie erwartet und was zum Problem werden könnte. Der grösste und wichtigste Faktor im Kollodiumprozess ist nach wie vor die Temperatur, aber das habe ich inzwischen ganz gut im Griff.

Wetplate collodion on clear glass, 18x24cm
Kollodiumfotografie hat aber auch eine soziale Komponente, die ich bisher in der Fotografie so nicht kannte. Fotografie an sich ist vom Nischendasein zur Massenbewegung mutiert, jeder macht Bilder und jeder nennt sich Fotograf. Jedes Bild in dieser Flut von Aufnahmen, das auffallend anders aussieht, weckt Interesse. Kollodiumfotografie ist wie ein Magnet, eine Nische in der Nische analoger Fotografie, ein Hingucker aber gleichzeitig zu 95% verkannt als "coole Vintage Bearbeitung" und "extraördinäre Photoshopleistung".

Eine eingescannte Kollodium-Glasplatte als digitale Kopie auf dem Bildschirm sieht zwar "extrem cool" aus, der Wert wird aber nicht erkannt, weil mit der digitalen Kopie das "Unikat Kollodium-Glasplattenbild" beliebig verfügbar und kopierbar ad absurdum geführt wird. Dass ist so, als würde man seine liebevoll handgestrickten Vintage-Socken beim Billig-Discounter ins Regal hängen. Da werden sie zwar gesehen, aber sicher nicht als etwas Besonderes geschätzt.

Collodion portrait, 18x24cm
Die 5% der Betrachter, die realisieren, dass da mehr dahintersteckt, als Photoshop, sind in der Regel Fotografen, die das auch gerne machen würden, oder seltener Modelle, die schon einmal auf Kollodium fotografiert wurden.

Ein Segen ist es, wenn es mir als Kollodiumfotograf bei der Suche nach einem Model gelingt, zu vermitteln, worum es überhaupt geht. Dann ist es sehr einfach, Modelle dafür zu begeistern. Es ist Anders, es ist Cool, es ist Besonders, auf Glasplatte gebannt zu werden. Aber es polarisiert auch, ich bin auch schon an Leuten gescheitert, die mit diesem Look einfach nichts anfangen können.


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Mittwoch, 22. Januar 2014

Alles Bio .... oder was?

"Reh´s New Generation", ein Cadmium-freies Kollodium


Leona, © Andreas Reh 2013, 18x24cm auf Glas
Fünfzehn Monate, so lange ist es nun schon her, seit ich mit der Kollodium-Nassplattenfotografie angefangen habe. Hinter mir liegt eine Zeit voller Experimente, Fehlschläge, Testreihen, Leiden und Freude!

Hat es sich gelohnt? Was habe ich erreicht? Wie geht es weiter? Zuerst einmal zu den Ergebnissen, es sind meine 3 Favoritenbilder, meiner Meinung nach die Besten, die ich bisher auf Glas vollbracht habe. Was man nicht sieht, ist der Aufwand dahinter, der betrieben werden musste, um zu diesen Silberbildern auf Glas zu gelangen. Als Kollodium-Nassplattenfotograf ist man immer auch ein kleiner Logistiker, Bastler und Chemiker...oder besser noch ein Alchemist. Es fängt mit der Fotoausrüstung an und hört mit den benötigten Chemikalien auf. Das letzte Jahr war in meinem Fall geprägt von der ständigen und nervigen Suche nach Lieferanten für die benötigten Dinge.


Lost in time, © Andreas Reh 2013
Kamera-Equipment aus den USA, Silbernitrat aus England, Kollodium aus Polen oder Glasplatten aus Tschechien. Genötigt durch deutsche Mondpreise oder deutsche Sicherheitsbestimmungen treibt es den gemeinen deutschen Kollodionisten zum Einkauf ins Ausland. Kurzum, es nervt einfach nur und es ist schwer, unter solchen Bedingungen gleichbleibende Arbeitsbedingungen und Qualität zu schaffen. Aber man muss sich arrangieren und ich für meinen Teil kann nun nach 15 Monaten endlich sagen, es ist alles gut, die Lieferantenquellen sind erschlossen und gesichert und die Ergebnisse reproduzierbar.
Perception, © Andreas Reh 2013

Neben diesen materiellen Dingen gibt es aber noch eine Sache, die mir das Leben schwer machte, mein Gewissen. Die Arbeit mit der Nassplattenfotografie erfordert den Umgang mit mehr oder weniger giftigen Chemikalien. Da wir hier in Deutschland glücklicherweise ein Bewusstsein dafür entwickelt haben, was gut für uns und die Umwelt ist und was man besser bleiben lässt, macht man sich so seine Gedanken, wenn auf den benötigten Chemikalien in Flaschen und Dosen Warnzeichen kleben, die einen nahen qualvollen Tod prognostizieren oder tote Fische auf der Wasseroberfläche skizzieren. Von Natur aus bin ich ängstlich und umweltbewusst und ich möchte mit meiner Arbeit, der Kollodium- Nassplattenfotografie Niemandem Schaden zufügen...Punkt! Also habe ich mir von Anfang an auch zum Ziel gesetzt, den Prozess nach Umwelt und Gesundheitskriterien zu modernisieren und zu optimieren.

Zum einen gibt uns das perfekte deutsche Problem-Müll und Sonderabfall-Sammelsystem die Möglichkeit, alles Problematische einer geregelten Entsorgung zuzuführen. Besser noch ist es natürlich, problematische Abfälle erst gar nicht entstehen zu lassen. Aber was ist bei unserem Nassplatten-Prozess überhaupt problematisch?

Es gibt einige Chemikalien, die ich von vorne herein nicht verwenden wollte, weil sie einfach zu giftig sind und man ausserdem problemlos auf sie verzichten kann. Allen voran ist das der Fixierer Kaliumcyanid. Meiner Meinung nach gibt es absolut keine Rechtfertigung und keinen vernünftigen Grund, diese Supergift als Fixierer zu verwenden und damit das Leben von sich und Anderen zu gefährden und noch dazu die die Umwelt zu belasten! Ich habe auf Veranstaltungen Kinder gesehen, die aus Versehen ihre Hände in eine Pfütze aus Zyankalilösung gelegt haben, so etwas brauche ich nicht und es ist von den betreffenden Kollegen einfach verantwortunglos, so eine kritische Situation überhaupt erst entstehen zu lassen. Befürworter argumentieren mit einem verbesserten Tonwerte/Kontrastverhältnis und einer schnellen, rückstandsfreien Fixierung mit kurzer Wässerungszeit. Das mag ja alles richtig sein, aber um es noch einmal zu sagen: Der Bequemlichkeit und dem letzten Quäntchen Kontrast willen ein solches Risiko einzugehen ist schlicht und einfach unüberlegt und verantwortungslos! Natriumthiosulfat funktioniert als Fixierer zufriedenstellend und ist völlig unproblematisch! Das heisst aber nicht, dass man verbrauchten Fixierer einfach in den Abfluss kippen kann, denn er ist hochgradig mit Silber angereichert, welches auf Wasserorganismen toxisch wirkt und recycelt werden sollte. Also bitte den verbrauchten Fixierer sammeln und zur Schadstoffverwertung geben!

Zum Zweiten wäre da das Cadmiumiodid, krebserregend und sehr giftig T+, gerne genommen als Iodid-Bestandteil im Kollodium. Dafür gibt es Alternativen, Ammoniumiodid oder Kaliumiodid sind unproblematisch und funktionieren auch.

Nun kommen wir zu den Stoffen, die nur schwer zu ersetzen sind:

  1. Silbernitrat: Es ist gar nicht gut, wenn es ins Abwasser oder in die Umwelt gelangt. Aber es ist im Prozess als Schlüsselbestandteil unverzichtbar und zum Glück sehr lange Zeit wiederverwendbar. Beim Entwicklungsprozess wird immer etwas davon von der Platte geschwemmt und landet zusammen mit dem Entwickler in der Auffangschale. Diese wenige Milliliter „Abwasser“ pro Platte sammele ich als Sonderabfall zur Entsorgung, es gehört nicht ins Abwasser.
  2. Kollodium und Ether: Das Kollodium und vor allem dessen Bestandteil Diethylether ist extrem flüchtig, leicht brennbar und in der Lage, explosionsfähige Mischungen und Peroxide zu bilden. Kollodium oder Ether ist nicht giftig, erfordert aber im Umgang einige Vorsichtsmassnahmen. Ether ist als Lösungsmittel im Prozess unverzichtbar, es gibt zwar Kollodiummischungen wie die „Poe Boy Mischung“, die ohne zusätzlichen Ether auskommen, aber mit dem Nachteil, dass sie mechanisch sehr fragil sind. Da besonders die Lagerung von Ether kritisch ist, verzichten viele Wetplater darauf. Ich habe mich für die Verwendung von Ether entschieden, weil man die Lagerprobleme beherrschen kann. Ether, maximal 12 Monate dunkel und kühl in einer 50% Mischung mit Ethanol luftdicht und explosionsgeschützt gelagert ist kein Sicherheitsrisiko. 
  3. Cadmiumbromid (CdBr2): Ist wie Cadmiumiodid erwiesenermaßen krebserregend, sehr giftig (T+) und wird dauerhaft im Körper angereichert. Ich habe die letzten 5 Monate damit verbracht, Kollodiummischungen zu testen, die ohne Cadmiumbromid auskommen. Das Problem dabei: Die Cadmiumbestandteile wirken im Kollodium stabilisierend, verlangsamen signifikant die vorzeitige Alterung der Lösung und sorgen für gute mechanische Eigenschaften des Kollodiumfilmes. Auf der Suche nach Alternativen bin ich auf Zinkbromid (ZnBr2) und Lithiumbromid (LiBr) gestossen, beides Stoffe, die in Bezug auf Umweltverträglichkeit und Giftigkeit unproblematisch in der Beschaffung und Verwendung sind. Ein Langzeit-Vergleichstest zeigte mir Stärken und Schwächen dieser Bromide. Zinkbromid ist leider aufgrund seines instabilen Verhaltens innerhalb einer Woche aus dem Testfeld gefallen. 

Mit freundlicher Unterstützung von Herrn Dr. Commerscheidt aus der Analytischen Chemie der Justus-Liebig-Universität und Frau Dipl. chem. A.Chebotarova habe ich nun nach langer Suche eine cadmiumfreie alternative Kollodiummischung gefunden, die allen meinen Anforderungen gerecht wird! Das Lithiumbromid ist der klare Sieger im Testfeld.

Diese Mischung ist im Vergleich zu meinem herkömmlichen Cadmiumbromid-Kollodium im frischen Zusatnd um 40%* lichtempfindlicher! 

Die nachfolgenden Mischungsverhältnisse basieren auf der Mischung mit 6,7% Fluka-Kollodium, bei der Verwendung anderer Kollodiumsorten muss der Alkoholanteil entsprechend angeglichen werden!

 “Reh´s New Generation” Collodion 


100ml Fluka Collodion 
65 ml Diethylether 

0.89g Lithiumbromide Anhydrous ~99% (LiBr) 
1.9g Ammoniumiodide (NH4I) 
120ml grain alcohol 190-proof (96,6% Trinkalkohol) 

1,25g Pottasiumiodide (KI , Kaliumiodid) 
3ml aqua dest. (dest. Wasser) 

(use at your own risk, no long-term experience for more than 3 months available)

International wetplater: For other sorts of collodion like USP or Merck, you need to change the ratio of alcohol / ether/ iodizer. Pavel Smialek made a great tool for recalculate the collodion formula for different sorts of collodion. This charge of Fluka collodion contains 6.7% nitrocellulose, 22,3 % of alcohol and 70% Ether. 

http://ambrotypy.blogspot.de/p/kalkulator.html


Das Kollodium reift innerhalb von 2 Tagen und benötigt etwa 2-10 Tage, um vollständig zu klären, es kann aber problemlos und ohne Einschränkungen im trüben Zustand schon nach 2 Tagen verwendet werden. Die Mischung ist kühl gelagert ca. 3 Monate haltbar. Die mechanischen Eigenschaften liegen zwischen der fragilen „Poe-Boy“ Mischung und dem stabilen Cadmiumhaltigen „Quinn´s Quick Clearing“ Kollodium. Die Haftung auf Glas ist gut, der Kollodiumfilm ist beim Lackieren mit Sandarak stabil. Der Farbton entspricht einem kühlen Beige. Der Tonwerteumfang unter Studiobedingungen und mit Blitzlicht und im Freien mit natürlichem Tageslicht ist grossartig.

Made with Reh´s New Generation collodion, © Andreas Reh 2013

Ein weiteres Beispiel für die Leistungsfähigkeit des Kollodiums: Feen mit nahezu weisser Haut auf schwarzem Stoff, der Kontrastumfang ist atemberaubend. Das Kollodium akkumuliert zudem derart viel Silber, dass ich den Entwickler radikal verlangsamen musste und die Zeit im Silberbad auf 2.20 min verkürzte. 12 Sekunden Entwicklungszeit bei +13°C Raumtemperatur!

Heartbreakers, © Andreas Reh 2013

Fotograf Peter Kunz hat über das gleiche Thema recherchiert und zitiert auf seinem Blog einen Auszug aus Eders Handbuch der Fotografie (S. 215, Band 2, Halle, 1897)

"Der hohe Preis der Lithiumsalze und die verhältnismäßig geringe Haltbarkeit derselben ist die Veranlassung, dass dieselben nur in sehr geringem Maße verwendet werden."

Was die schlechte Halbarkeit von Lithiumbromid und Lithiumiodid abgeht, so ist vor allem Lithiumiodid betroffen. es ist stark hygroskopisch und zerfällt schnell zu Lithiumhydrat und Jod. Lithiumbromid ist haltbarer, aber auch sehr stark hygroskopisch. Ich empfehle deshalb die Lagerung dunkel in kleinen luftdichten Portionsdosen zusammen mit Silicagel in einem grösseren Behälter, denn ohne Feuchtigkeit gibt es keine Hydratbildung und das Problem besteht nicht mehr.

Nachtrag: Die Benutzung des Kollodiumrezepte geschieht auf eigene Gefahr und Verantwortung. Der Autor haftet nicht für Schäden, die durch das Rezept entstanden sind. Es hat sich inzwischen herausgestellt, dass das Lithium-Kollodium nicht ganz unproblematisch bei der Verwendung unter eingeschränkten Lichtverhältnissen  reagiert. Schlechte Aufnahmebedingungen führen schnell zu dunklen / flauen Bildergebnissen, deutlicher als dies bei vergleichbaren Cadmium-Kollodium passiert. Für Einsteiger kann ich es deshalb nur bedingt empfehlen.

Andreas Reh, Portfolio ND-Magazine



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Montag, 20. Januar 2014

Eine Kollodium-Nassplattenkamera für wenig Geld?

Sie müssen nicht immer gross, teuer und schön sein, die Kameras zur Kollodium-Nassplattenfotografie! Neulich auf dem Flohmarkt sprach mich eine sehr gut erhaltene 9x12cm Plattenkamera aus den 1920ern an. 40 Euro sollte sie kosten, ein marktüblicher Durchschnitt für diese Sorte Kamera. Sie wurden seinerzeit vorwiegend in Dresden für verschiedene Formate (6x9cm, 9x12cm und 10x15cm) als Massenware von ICA, Welta, Voightländer und Anderen produziert, meist ausgestattet mit Anastigmat/ Tessar-Objektiven mit einer Lichtstärke um Blende 4.5 und einem Compur Zentralverschluss. Das von mir erstandene No-Name Exemplar ist mit einem (Julius) Laack Rathenau f 135mm/4.5 Pololyt Anastigmat Objektiv ausgestattet, der Verschluss geht von 1s bis 1/200stel Sekunde. Die Empfindlichkeit einer Kollodium Nassplatte entspricht ungefähr 0.5 ISO, ich werde also vorwiegend die langen Zeiten nutzen. An sonnigen Tagen ist bei Blende 4.5 eine halbe bis eine Sekunde Belichtungszeit ein guter Richtwert, um zu starten. Besser ist es, einen Belichtungsmesser zu nutzen, fantastisch geeignet für die Kollodiumfotografie ist der Gossen Lunasix F, auf seine Anzeige konnte ich mich bisher blind verlassen! 

Zurück zur Kamera, diese wurde damals natürlich nicht eigens für die Nassplattenfotografie konstruiert. Um sie für den Einsatz mit Nassplatte fit zu machen, sind zwei Anpassungen nötig: Wir brauchen eine passende Aufnahme für die Nassplatten und der Fokus der Kamera muss neu justiert werden.

 Die zur Kamera passenden Filmhalter sind zu flach für die Aufnahme von Glas oder Blechplatten. Die ebenfalls damals üblichen Filmmagazine kann man zwar entsprechend umbauen und lichtdicht abdichten, jedoch sind sie aus Eisen- oder Aluminiumblech und das führt in Verbindung mit unseren Silbernitratgetränkten Nassplatten zu massiver Korrosion und infolge dessen zu sehr unsauberen Bildern, weil die Oxidationsrückstände zwangsläufig die Nassplatten kontaminieren.

 Es ist deshalb viel einfacher, einen Radikalschnitt zu machen, indem man die Kamera mit einer Aufnahme für einen Standard-Filmhalter ausstattet, weil man diese wiederum sehr einfach zur Aufnahme von Glasplatten umrüsten kann.


Da meine Kamera nur einen geringen materiellen oder historischen Wert besitzt, ist ein Radikalumbau zu rechtfertigen. Gut ist es, wenn das Kameragehäuse, wie in meinem Fall, aus Holz ist. Dann fällt es leichter, Umbauten vorzunehmen. Ich hatte zudem das Glück, dass die Kamera exakt die gleiche Breite besitzt, wie ein Standard 4x5“ Filmhalter aus Kunststoff. Ich habe kurzerhand das Rückteil der Kamera einfach abgesägt, die Schnittstellen an der Kamerarückseite mit einem Edding wieder geschwärzt, einen Standard 4x5“ Filmhalter aufgelegt und mit 2x2cm Messing L-Winkel eine passende Aufnahme zum Einschieben des Halters angefertigt. Das geht natürlich auch viel einfacher mit den im Baumarkt erhältlichen schwarzen Eck-Kunststoffprofilen, ist dann aber weniger „edel“. Um den Einschub lichtdicht zu machen habe ich vor dem Anschrauben zwischen den Profilen und dem Kameragehäuse schwarzes Silikon aufgebracht und eine flache Nut zum Einkleben von schwarzem Samt als Lichtfalle an der Öffnung des Kassettenfaches an der Kamerarückseite eingearbeitet.

Nachdem das vollbracht war, konnte ich einen Filmhalter passend für die Aufnahme von Nassplatten umrüsten. In meinem Fall ergab der Umbau ein Plattenformat von 88x116mm...mehr ist aus einem Standard 4x5“ Filmhalter auch nicht herauszuholen. Geeignet für einen solchen Umbau sind Filmhalter mit Aluminium-Mittelblech wie z.B. die „Lisco Regal“ Halter oder die „Fidelity Elite“ Serie. Eine gute Anleitung zum Umbau eines Filmhalters zur Aufnahme von Kollodium-Nassplatten gibt hierzu der Artikel meines Kollegen Alex Timmermanns:

 http://collodion-art.blogspot.de/2010/10/normal-film-holder-for-wet-plate.html 

Nun passte der originale Mattscheibenhalter der Kamera natürlich nicht mehr in den modifizierten Filmhalter-Einschub. Kein Problem dachte ich mir, einfach eine Mattscheibe in einem weiteren umgebauten Standard 4x5“ Filmhalter befestigt und alles ist gut?!? Denkste, hier kommt eine kleine fiese Unbekannte ins Spiel mit der ich so nicht gerechnet hatte. Die sogenannte „chemische Fokusdifferenz“ machte mir hier das Leben schwer. WTF? Chemischer Fokus, was zum Teufel ist das, werden sich nun Einige fragen.


Zur Erklärung: Das Kollodium Nassplattenverfahren ist ein fotografisches Verfahren, bei dem der kurzwellige UV-Anteil des Lichtes belichtungswirksam ist (320-500nm), auf unserer Mattscheibe jedoch sehen wir nur den sichtbaren Anteil des Lichtes (440 bis 700nm). Wir sehen also einen anderen Wellenlängenbereich, als die zu belichtende Nassplatte. Die Linsen in den Objektiven haben jedoch leider die Eigenschaft, unterschiedliche Wellenlängen auch unterschiedlich stark zu brechen. Für die filmbasierende Fotografie spielte das kaum eine Rolle, der Film sieht das, was wir auch auf der Mattscheibe sehen, nur bei Infrarotfilmen kannte man schon immer das Problem. Benutzte man die normale Entfernungsskala für Infrarotfilme, dann wurden die Bilder unscharf, weil die langen IR-Wellenlängen im Glas des Objektives weniger stark gebrochen wurden und der reale Fokuspunkt zu weit hinter dem Film lag.

Bei unserem Kollodiumverfahren ist das nun genau umgekehrt, der Fokuspunkt liegt deutlich vor der Filmebene, im Falle meines 135mm Laack-Objektives ganze 4 mm! Das ist für so eine kleine Kamera eine ganze Menge und hat mich wirklich überrascht! Aber es ist nichts Ungewöhnliches und auch kein Beinbruch. Die richtige Mattscheibenebene musste bei meiner Kamera also genau in Höhe der Auflage des Filmhalters angebracht werden. Gesagt, getan, ein kleiner Holzrahmen um die Mattscheibe drumherumgebaut und fertig war der Mattscheibenhalter zum Einschieben in die Kamera.

 Leider gibt es für die Anpassung der Mattscheibe an das Kollodiumverfahren keine Faustregel, da alle Objektive unterschiedlich starke Brechungsdifferenzen aufweisen. Man muss für jede Kamera durch Belichtungsversuche selber herausfinden, wo der entsprechende „echte“ Fokuspunkt für die Arbeit mit Kollodium-Nassplatten sitzt. Ich hatte dafür einen halben Tag herumexperimentiert und selbst nach erfolgter Anpassung musste ich feststellen, wenn ich mit der Mattscheibe auf Unendlich fokussiere ist das Bild wiederum unscharf. Es stellte aber kein schwerwiegendes Problem dar, die Kamera besitzt zusätzlich eine Entfernungsskala am Balgen und nach einigen Testaufnahmen hatte ich diese Skala versetzt und neu auf das Kollodiumverfahren geeicht. Für Portraitaufnahmen bei Offenblende im Nahbereich benutze ich nun die Mattscheibe zum Scharfstellen, für Landschaftsaufnahmen bei geschlossener Blende reicht die Entfernungsskala aus.


 Die Gesamtkosten der Kamera belaufen sich auf 55 Euro, der Zeitaufwand betrug ca. 10 Stunden inkl. der Testaufnahmen (etwas handwerkliches Geschick vorausgesetzt). Mit dem Umbau ist die kleine Kamera nun eine vollwertige und unkomplizierte Wetplate-Kamera, geradezu ideal für den mobilen Einsatz mit einer kleinen Dunkelkammerbox und tragbarer Minimalausrüstung „on Location“. Ich werde sie vorwiegend für Outdoor Portraits und Landschaftsaufnahmen nutzen.


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Dienstag, 20. August 2013

Es ist so eine Sache mit der Hitze

Ende Juli 2013, statt im Schwimmbad einen auf lau zu machen, hatte ich kurzerhand beschlossen, ein Aktfotoshooting im heimischen Wald durchzuführen .... mit dem Kollodium Nassplattenverfahren, versteht sich. Was das bedeutet, mit 45kg Grossformat-Fotoausrüstung in den Wald zu ziehen, hatte ich Wochen vorher ja schon ausgetestet. Diesmal hatte ich das grosse Glück, dass ich mit dem Auto bis unmittelbar an die Location heranfahren konnte, was mir einen Haufen Schlepperei ersparte.

Um 12 Uhr mittags waren wir dann soweit, das Dunkelkammerzelt und die Kamera waren aufgebaut und das Model bereit. Leider hatte sich inzwischen auch bis in den Wald hinein herumgesprochen, dass für diesen Tag  35°C vorausgesagt waren. Für das nun splitternackt dastehende Model war das ja eine feine Sache, für mich als rastloser umherirrender Fotograf weniger gut, für den temperatursensiblen Kollodium-Nassplattenprozess schlichtweg katastrophal. Zumindest, wenn man, wie ich bis dato, alle guten Ratschläge zum Arbeiten bei warmen Temperaturen ignoriert und meint, es wird schon irgendwie klappen. Die Quittung folgte auf den Fuss, das erste Bild des Tages war eine bis zur Unkenntlichkeit vernebelte Glasplatte.

Zur Erklärung: Normalerweise sollte man dem Entwickler bei Temperaturen über 22 Grad einen sogenannten „Restrainer“ hinzugeben, Zucker tut da gute Dienste...oder etwas mehr Essigsäureanteil...oder notfalls einfach nur etwas mit dest. Wasser verdünnen.

Ich hatte natürlich keine Essigsäure und keinen Zucker mit in den Wald genommen, also blieb nur Wasserzugabe als Notmassnahme übrig. Gesagt, getan, auf der zweiten Platte war nun zumindest schon einmal das Model vage zu erkennen, von einem guten Ergebnis mit klaren schwarzen Schatten war ich weit entfernt. Um den Tag noch zu retten, entschloss ich mich zu einer drastischen Massnahme. Starke Überbelichtung bei gleichzeitiger starker Unterentwicklung, damit hätte der Entwickler weniger Zeit, das Bild zu vernebeln. Und es funktionierte tatsächlich...einigermaßen zumindest, zur Beseitigung des Restnebels musste Photoshop als Rezept herhalten. Zufrieden war ich mit dem Ergebnis nicht. Eine Kollodiumfotografie, die per Photoshop nachbearbeitet werden muss, damit sie meinen Ansprüchen genügt, ist in meinen Augen keine technisch gelungene Fotografie. Aber so konnten wir an diesem Tag wenigstens 3 halbwegs brauchbare Bilder mit nach Hause nehmen.


Da es auch die Wochen darauf noch brütend heiss war und ich meinen verbliebenen Resturlaub für die Kollodiumfotografie nutzen wollte, machte ich mich daran, das Thema „Fogging“ anzugehen. Borut Peterlin, weltbester Fotograf, http://www.borutpeterlin.com/ empfahl bei Temperaturen über 30°C, die Verweildauer der beschichteten Glasplatte im Silberbad auf 2 Minuten zu verkürzen, den Entwickler zu verdünnen und ihm etwas Salpetersäure hinzuzugeben. Mit Salpetersäure hatte ich zur Bildaufhellung schon ein Jahr vorher herumexperimentiert und dabei schlechte Erfahrungen mit aufkommendem Fogging gemacht. Mit dem wasserverdünnten Entwickler hatte ich bei unserem Waldshooting gearbeitet und war nicht 100% zufrieden mit dem Ergebnis. 

Ich versuchte nun, zusätzlich zum verkürzten Silberbad, noch etwas ganz Anderes: Eine Entwickler-Sommermischung mit reduziertem Eisen(II)sulfat Anteil. Ein Test bei 29°C brachte sofort das gewünschte Ergebnis, die Kontrollplatte mit Standardentwickler wurde total vernebelt, die Platte mit verkürzter Zeit im Silberbad und Entwicklung mit dem Sommerentwickler resultierte in einer sauberen Kollodium-Nassplatte mit klaren schwarzen Schatten. 

Nun stand dem geplanten "heissen" Mittsommershooting nichts mehr im Wege, das Ergebnis ist ein Bild, mit dem ich zu 100% zufrieden bin!


Standard-Entwickler:
400ml dest Wasser, 
23g Eisen(II)sulfat, 
23ml Essigsäure, 
22ml Alkohol

Sommer-Entwickler:
400ml dest Wasser, 
16g Eisen(II)sulfat, 
23 ml Essigsäure, 
22 ml Alkohol



Andreas Reh - Photography on Facebook

Freitag, 24. Mai 2013

Go green.....!


So verrückt es im Zeitalter digitaler Kompaktkameras auch klingt, ich möchte mit der Kollodium-Nassplatten-Fotografie mehr Outdoor arbeiten, raus aus dem Studio und hinein in die Natur. Das liegt nicht an der historischen Technik, das Verlangen, in der Natur vor Ort zu arbeiten habe ich in letzter Zeit genauso mit meiner Digitalkameraausrüstung. Ein Studio bietet zwar komfortable kontrollierte Bedingungen und wetterunabhängiges Arbeiten, aber die Bilder wirken schnell steril und unaufregend.

Es ist eine echte Herausforderung mit Sack und Pack loszuziehen und sich den Unbilden vor Ort zu stellen. man weiss ja nie, was einen erwartet und das Ergebnis wird von dem Unerwarteten beeinflusst. Das ist spannend! Anfang Mai war ich auf dem grossartigen (danke Alex Timmermanns!) 2. European Collodion Weekend (ECW) in Eindhofen/ NL und konnte vor Ort miterleben, welche Schwierigkeiten mit der Arbeit verbunden sind, die Kollodium-Glasbilder draussen zu erstellen. Die Aufnahmen müssen ja unmittelbar vor Ort unter Dunkelkammer-Bedingungen entwickelt, fixiert und gewässert werden. Im Klartext heisst dass: Man muss neben der Kameraausrüstung, in meinem Fall eine Korona Pictorial View 8"x10" Kamera mit Zeiss Tessar 30cm/4.5 und ein stabiles Stativ, auch noch die gesamte Chemie, mindestens 10 Liter Wasser einen Klapptisch und die komplette Dunkelkammer mitnehmen! Das ist ein Haufen Zeug und wiegt in meinem Fall ca. 45 kg.

Zum Transportieren habe ich mir einen schicken zusammenklappbaren Angelwagen mit 75kg Nutzlast angeschafft, längere Wege werden natürlich mit dem Auto zurückgelegt. Als Dunkelkammer vor Ort dient ein amerikanisches Eisfischer-Zelt, Marke Eskimo Quickfish 3. Mit 2x2x2m ist es sehr geräumig und dank einer schwarzen Beschichtung innen, absolut lichtdicht. Die Fenster wurden durch rote Schweisserschutzfolie ersetzt, nach langem Suchen habe ich eine dafür geeignete absolut UV-dichte Folie gefunden, eine Kemper-Folie in Rot, die nun in dieser Ausführung leider nicht mehr erhältlich ist. (das Kollodium-Verfahren ist sensitiv für Licht im Ultravioletten Bereich).

Am 19.Mai 2013 war es dann soweit, das Wetter war sonnig und die Temperaturen mit 22 Grad perfekt für ein Outdoorshooting.
Das Auto vollgeladen mit Model und Ausrüstung und los ging es. Wir wollten zu einem nahen Waldstück auf einem Berg, eine recht schwierig zu erreichende Location, auch um zu testen, ob so etwas überhaupt mit soviel Ausrüstung machbar ist. Eines vorweg, mit 45kg auf einem Angelwagen durch unwegsames steiles Gelände, dass kann man getrost vergessen. 1.Lektion gelernt, wir mussten 2-mal fahren.

Vor Ort angekommen schlugen wir das Zelt auf, was dank ausgeklügelter pop-up Automatik völlig problemlos alleine in nur 3 Minuten erledigt war. Schnell noch die Sachen hergerichtet und die Kamera aufgebaut, auf die Szenerie ausgerichtet und schon war wieder eine Stunde vergangen.

In den Niederlanden auf dem ECW war es auch sonnig und viele Teilnehmer hatten Schwierigkeiten mit zuviel Licht. Wir waren nun im schattigen Wald und nun lag es mangels Belichtungsmesser an meiner noch nicht vorhandenen Erfahrung, die Belichtungszeit grob zu schätzen. Ich entschied mich für 3 Sekunden bei 30cm/Blende 4.5 .... falls das zuviel sein sollte, konnte ich mit der Entwicklung noch etwas gegensteuern oder nachhelfen. Aber dass ging komplett daneben, das Bild wurde viel zu dunkel, also hiess es die Belichtungszeit auf 6 Sekunden zu verdoppeln und es noch einmal zu versuchen.....und das Bild wurde wieder zu dunkel.

Die dritte Aufnahme, mit 9 Sekunden belichtet, wurde dann zufriedenstellend. Sehr interessant finde ich hier, wie dunkel das Blattgrün im Kollodium-Verfahren wird, an der gleichen Location hatte ich ein Jahr zuvor Infrarotbilder erstellt, im Gegensatz hierzu ist das Grün auf den damaligen Aufnahmen fast weiss. Wir belichteten drei weitere Glasplatten und nach insgesamt 4 Stunden kamen wir erschöpft aber zufrieden wieder zu Hause an.

Die Erkenntnisse des ersten Kollodium-Nassplatten-Ausfluges:

  • Alleine kann man so eine Expedition nur machen, wenn es über befestigte Wege geht, ansonsten nur mit Begleitperson
  • Es zeigte sich, dass es im Zelt zu dunkel war.....nun.... ein Dunkelkammerzelt mit roten Fenstern im dunklen Wald aufgestellt, ist eigentlich logisch :-) Um vernünftig arbeiten zu können habe ich mittlerweile eine rote batteriebetriebene 1 Watt-LED-Dunkelkammer-Leuchte für das Zelt konstruiert. 
  • Der Wind ist der grösste Feind beim Aufgiessen des Kollodiums auf die Glasplatte, im Zelt geht das besser.
  • Von den Bäumen im Wald fällt allerhand Unrat nach unten, unsere Wässerungsschalen sahen nach 2 Stunden aus wie Kompostbehälter. 
  • Ein Belichtungsmesser muss her, der Gossen Lunasix F sollte ganz gut dafür geeignet sein.
  • Die Stativbefestigung der Kamera muss gegen Verdrehen gesichert werden.
  • Ein Müllbeutel für die ganzen verbrauchten Tücher muss mitgenommen werden, an den Abwasserbehälter hatte ich vorausschauend gedacht. 
  • Die Location muss mit Bedacht auf die besonderen Eigenheiten in der Darstellung von Kollodiumbildern gut gewählt werden, eine gute Infrarot-Location heisst nicht zwangsläufig, dass der Ort auch für Kollodiumbilder gut geeignet ist.
Alles in Allem hat sich die in monatelanger Kleinarbeit zusammengestellte Ausrüstung, wie erwartet, gut bewährt. Es waren nur Kleinigkeiten die zum perfekten Ausflug fehlten. Vor allem die selbstgebauten Transport und Aufbewahrungsbehälter für die Glasplatten vor Ort sind Gold wert, der ganze Aufwand wird ja nur betrieben, damit als Resultat gute Bilder dabei herauskommen. Die sollte man dann natürlich auch wohlbehalten und sicher bis nach Hause transportieren können. In den Behältern sind die, im nassen Zustand sehr empfindlichen Bilder, sicher gegen Staub und Verkratzten untergebracht.

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